Was in der Klassik zählt, ist die Qualität der Echtheit

Eine runde Zahl gibt bei der Klassik-Konzertreihe Grund zu feiern: Am Sonntag findet das 500. Konzert im Konzertsaal statt. Veranstalter Franz Grimm blickt zurück und voraus.

VON ANDREAS KAUFMANN (TEXT UND BILD)

Franz Grimm"Nein, es ist viel mehr als ein Hobby", sagt der pensionierte Lehrer und aktive Konzertveranstalter Franz Grimm über Fragart: "So wie ein Maler malt und ein Dichter dichtet, ist das Organisieren der Konzerte meine Form der Kunst". Von Kunst darf durchaus sprechen, wer über 29Jahre satte 499 Klassikkonzerte, vorwiegend im Kammermusikbereich, durchgeführt hat. Dabei hilft ihm auch seine Lebenspartnerin Rita Stampfli. Am Sonntag kommt mit einem Rezital des Flötisten Peter-Lukas Graf und seiner Tochter Aglaia Graf (Klavier) das 500. Highlight hinzu.

Abseits von der Eliten-Klassik
Bei einer so langen Konzertchronik erstaunt es nicht, dass das Format Fragart mit einer Bandbreite vom Nachwuchstalent bis zur Weltklasse punktet. Fragart ist musikalisches Erleben abseits vom manchmal elitären Schauplatz Klassik, was von Grimm durchaus gewollt ist. "Ich schätze das Blockflötenspiel eines Kindes ebenso wertvoll wie das Rezital eines Weltklassemusikers. Weil die Qualität der Echtheit zählt." Eine Philosophie der Echtheit, die bezeichnend ist für Fragart, bezeichnend für Grimm. Seine Konzertbesucher kommen "aus purer Entdeckerfreude oder weil sie wissen, was sie erwartet."

Nichtsdestotrotz zieren grosse Namen oder solche, die zu grossen Namen wurden, die Liste der Fragart-Musiker: Darunter der Pianist Nelson Goerner, mit dem Grimm eine langjährige Freundschaft verbindet, ebenso wie Sol Gabetta (Violoncello). Auch Vladimir Ashkenazy (Piano) und dessen Sohn Dimitry Ashkenazy (Klarinette) zählen dazu. Mit Fragart sozusagen gross geworden sind Pianistin Evelyne Grandy oder Violinistin Noémie Rufer. So liegt Grimm eben gerade auch die Nachwuchsförderung am Herzen.
Mit dem Kezmer-Klarinettisten Giora Feidmann wagte sich Grimm im Herbst 2011 ans ganz grosse Format, wofür er sogar auf offener Strasse eigenhändig Tickets verkaufte. Entsprechend wurde er dafür belohnt: Der Konzertsaal füllte sich bis auf den letzten Platz mit Musikliebhabern aus der ganzen Schweiz. Für Fragart wurde Feidmann damit zu einem der Kulminationspunkte.

Gedanken über die Zukunft
Nächstes Jahr folgt nach dem 500. Konzert die nächste runde Zahl zum Feiern: Zum 30-Jahr-Jubiläum will Grimm einen Rückblick wagen und viele der Musiker einladen, die in all den Jahren mitgeholfen haben, die Fragart-Reihe zu erhalten. Doch wirds je ein 1000. Fragart- Konzert geben? Auf diese Frage hat Grimm noch keine abschliessende Antwort: "Solange ich noch Energie habe, mache ich es." Darüber hinaus ist das Fortbestehen der Klassikreihe auch vom Finanziellen abhängig. So hat Grimm privat viel Geld in die Konzerte gesteckt. "Mit einem Lehrerlohn und bescheidener Lebensweise ging das." Seit der Pensionierung jedoch kann er es sich nicht mehr leisten, die Defizite aus dem eigenen Sack zu berappen. Es braucht laut Grimm eine Trägerschaft. "Eine Möglichkeit bestünde darin, einen Freundeskreis von Fragart mit Mitgliederbeiträgen auf die Beine zu stellen", hofft er.

500. Konzert Sonntag, 22. April, 17 Uhr, Konzertsaal Solothurn.

Aus der Solothurner Zeitung April 2012