Wenn zwei sich völlig verstehen

Frag-Art Konzert mit Dimitri Ashkenazy und Ariane Haering

SILVIA RIETZ

Die Pianistin Ariane Haering und der Klarinettist Dimitri Ashkenazy schenkten der Frag-Art Konzertreihe mit ihrem Solothurner Auftritt eine Sternstunde: Klassische Ekstase, romatisches Feuer und Jazzfeeling begeisterten das Publikum.

Die Schweizerin Ariane Haering und der in Luzern aufgewachsene Dimitri Ashkenazy stehen am Beginn einer grossen Karriere. Vereinen sich zwei herausragende Könner privat und auf dem Podium zum Duo, graben Raritäten und Bekanntes für Piano und Klarinette aus und interpretieren die Stücke auf höchsten Niveau - ja, dann schwelgen sowohl die Musiker wie das Publikum in purer Freude.

Leichtigkeit und Eleganz
Ariane Haering und Dimitri Ashkenazy streben sowohl als Solisten wie auch als Duo einen Platz in der höchsten Liga an. Assoziierte man den Namen Ashkenazy früher zwangsläufig mit dem weltberühmten Pianisten Vladimir Ashkenazy, reflektiert man damit heute Klavier und Klarinette. Dimitri Ashkenazy brillierte mit Béla Kovacs «Hommage à Manuel de Falla» und einem Solostück von Witold Lutoslawski fingergeläufig, mit unendlichem Atem und ausgeklügelter bläserischer Ökonomie. Erinnerungen an Klezmermusik und swingendem Jazz, serviert mit unerhörter Leichtigkeit, Eleganz und Gefühl, riss die Zuhörenden zu Begeisterungsstürmen hin. Dimitri Ashkenazy brillierte in den extremen Sprüngen und den Passagen in der Tiefe, er lotete das Spektrum seiner Klarinette voll aus und brachte Jazz-Feeling in den Konzertssal.
Ariane Haering ihrerseits punktete mit Jean Françaix' «Tema con variazoni». Beim Spiel der souveränen Klangästhetin verschmelzen Präzision und Virtuosität. Sie belebt dabei die Musik mit explosiver Energie und zarten Lyrismen.

Weltklasse auch im Duo
Ihre Stärken und Qualitäten als sensibel aufeinander eingespielte Kammermusiker entfalten sich bei Schumann: Drei Romanzen op. 94 und Fantasiestücke op. 73 für Piano und Klarinette, elegisch, melodisch und einfühlsam dargeboten. Zwei seelenverwandte Musiker nahmen das Publikum mit auf eine kammermusikalische Prozession, die mehr war als nur Balsam fürs Ohr und fürs Gemüt.
Der Auftritt von Dimitri Ashkenazy und Ariane Haering begeisterte mit Schumanns Romantik und Joseph Horovitz' von Virtuosität und verschiedenen Stilelementen geprägter Sonatina, und verdichtete sich zum bewegenden Plädoyer für die alles entscheidenden Kriterien der Interpretation - für die Persönlichkeit und den Gestaltungswillen.
Mit begeisterten Ovationen ehrte das Publikum im vollbesetzten Konzertsaal zwei hervorragende Musiker und ein Duo auf Erfolgskurs

Aus der Solothurner Zeitung vom 9.3.2001