Nicht nur für Akademiker

Franz Grimm und sein Frag-Art-Programm: Klassik für alle

MYRIAM SPERISEN

Seit 18 Jahren bietet der Solothurner Franz Grimm jährlich sein Frag-Art-Programm an.
Früher fand es in der Rudolf Steiner Schule statt, heute im Konzertsaal. Er verdient dabei nichts - im Gegenteil. Aus rein idealistischen Gründen möchte er die klassische Musik allen sozialen Schichten zugänglich machen.

Der 54-jährige Franz Grimm ist ein Idealist. Er stammt aus einer Arbeiterfamilie und wusste in der Primarschule nicht, wer Mozart war. Daran erinnert er sich, darum findet er es wertvoll, dass die klassische Musik allen Schichten zugänglich gemacht wird. Seit 18 Jahren verwirklicht er dies. Begonnen hatte alles 1983 mit einem Programm in den Räumlichkeiten der Rudolf Steiner-Schule in Solothurn. Verschiedene Solisten nutzten in den Anfängen die Möglichkeit, diese Frag-Art Programme als eigene Generalprobe zu nutzen. “In mir herrscht der Drang, die Musik den Leuten näher zu bringen. Früher schien die Klassik nur die Akademiker etwas anzugehen”, erklärt Grimm. Er ist der Meinung, dass jeder Mensch ein Künstler sein könne. “Die höchste Kunst sei die Lebenskunst”, erklärt er.
”Ein Konzert ist wie ein Kunstwerk”

Auch in diesem Jahr kann Grimm wieder ein reichhaltiges Programm anbieten. Diesmal konnte er sogar das Spiller-Trio, renommierte Künstler aus Deutschland, begeistern. “Die Engagements kommen durch Beziehungen zu Stande, grundsätzlich läuft es ohne Verträge”, sagt Grimm. “Ein Konzert ist für mich wie ein Kunstwerk”, führt er aus. Bis im Dezember werden sechs Anlässe stattfinden. Zum ersten Mal ist bei zwei musikalischen Vorträgen ein Eintritt von 20 Franken zu entrichten.
“Somit gleichen sich die manchmal durch Kollekten spärlichen Einnahmen aus”, meint Grimm. Gewinn gab es in den ganzen Jahren keinen. Er nennt die Summe von 150000 Franken, die er bislang in dieses Projekt gesteckt hat, aus dem eigenen Sack. Es wäre ohnehin schwierig Unterstützung zu bekommen, weil kein Verein dahinter steht, sondern eine einzelne Person.
Um Unterstützung geht es aber Grimm gar nicht. Er inverstiert gerne in sein Frag-Art Programm. “Somit gebe ich zehn Prozent meines Einkommens der Öffentlichkeit zurück. Das könnte sich jeder Lehrer leisten”, sinniert er, der selber in Kriegstetten als Lehrer tätig ist. Er finde eben seine Erfüllung im Angebot der Musik, andere würden es vorziehen, für sich selbst etwas zu machen, zum Beispiel reisen. Wichtig sei, dass die kleinen Dinge geschätzt würden. “Wenn ein Kind Blockflöte spielt muss man diesen Wert erkennen”, fügt er an. Bezüglich des Unterrichts in seiner Klasse nennt er die Menschlichkeit als wichtigsten Aspekt. Grimm ist jemand, der aus grosser Überzeugung handelt und das ganze Leben bewusst neu dazu lernt.
Eine Klasse begleitet

So hatte er sich im Jahr 1981 dazu entschieden, acht Jahre an der Rudolf Steiner Schule zu unterrichten. Somit begleitete er eine Klasse während der ganzen Schulzeit. “Ich wollt, dass meine Zeit dort beschränkt ist. Für mich zählt die Erfahrung, ich will wissen, von was ich rede”, bekennt Grimm. Weil er sicht für Kunst interessiert, hatte er auch das Zeichnungslehrer Studium absolviert.
Grimms musikalische Interessen beschränken sich nicht auf die Klassik. Volksmusik aus allen Ländern und Jazz sagt ihm ebenfalls zu. “Aber alles kann ich beim besten Willen nicht anbieten”, meint er schmunzelnd.

Aus der Solothurner Zeitung vom 10.8.2001