Virtuoser Gestalter am 333. Frag-Art-Konzert

Konzertsaal Rezital mit Pianist Gabriel Arnold

RUEDI KÄCH

Gabriel Amold ist in Solothum kein Unbekannter mehr. Sein Spiel hinterlässt zusehends Spuren, Eindrücke - es beeindruckt. Sein Rezital im Rahmen von Franz Grimms Frag-Art-Konzerten zeugt von einer intensiven geistigen Auseinandersetzung mit der ausgewählten Musik.

Und Gabriel Arnold wusste zu differenzieren: Mozarts technisch und musikalisch anforderungsreiche B-Dur-Sonate(KV 333) gefiel durch die metrische Konstanz und klare Linienführung, womit er zu Recht auch dem formalen Anspruch das nÖtige Gewicht einräumte. Wenig Versöhnliches enthält Schuberts a-Moll-Sonate op. 143; der Interpret ist denn auch nie versucht, ihr eine andere Deutung zu geben. Mit sparsamem Pedal und unnachgiebig hartem Zugriff (3. Satz) verleiht er ihr etwas Schroffes und Abweisendes und belässt sie trotz einiger Lichtblicke (wie etwa im A-Dur-Teil des letzten Satzes) eingetrübt in bedrückender Dämmerung. Mit Brahms' sechs Klavierstücken op. 118 nach der Pause folgte auf die formale Geschlossenheit der beiden Sonaten vorerst eine Hinwendung zur harmonischen und kompositorischen Feinarbeit, angereichert mit reizvollen Kontrasten und liedhaften Elementen.

Gemeisselte Musik

Der monumentale Charakter von Bachs berühmter Chaconne für Violine solo in der Bearbeitung von Busoni bildete den Abschluss des Programms und den dramaturgischen Höhepunkt zugleich. Was in den vorangehenden Werken von Mozart und Schubert formal bereits angelegt ist, erlebte man jetzt in der Entstehung. Wie aus Stein gemeisselt ertönten bereits die ersten Akkorde, das Fundament quasi, auf dem die gedrängte Musik vom Interpreten erst geformt und gebündelt werden musste. Gabriel Arnold erwies sich gerade hier als überragender Gestalter: Zusehends fächerte er die barocke Vertikale des Beginns auf und legte in immer neuen Schichten filigrane, ja lyrische Kostbarkeiten frei. So hielt er das Ganze zusammen - und zeigte es doch in seinen Teilen. Allein die fast unmerklich einsetzenden Steigerungen im D-Dur-Teil bis zu den Akkordrepetitionen offenbarten grösste Präsenz und Übersicht. Ein (ungewöhnlich) grosses Publikum besuchte das «Frag-Art»-Konzert, das nach Rechnung von Organisator Franz Grimm bereits das 333. war. Langer begeisterter Applaus folgte auf die beeindruckende Darbietung, und beim Hinausgehen schienen die
Klangsäulen der Chaconne - und die Mozart-Zugabe - noch immer nachzuschwingen.

Aus der Solothurner Zeitung vom 9. April 2002