Überraschende Sternstunde

Frag-Art Ersatz-Pianistin Jong-Gyung Park überzeugte

SILVIA RIETZ
   
Kurzfristig eingesprungen, schenkte die junge Pianistin Jong-Gyung Park dem Frag-Art-Publikum ein elektrisierendes «Wunschkonzert» -eine überraschende Sternstunde.
Es ist ein Horrorszenario für jeden Veranstalter, wenn eine so bekannte Pianistin wie Ariane Haering kurz vor dem Konzert erkrankt. Franz Grimm indessen durfte auf die Solidarität der Frag-Art-Familie zählen. Als er Roussoudan Alavidze anfragte (sie wird am 30. März in Solothurn gastieren) , konnte die Künstlerin zwar nicht kommen, vermittelte ihm jedoch Jong-Gyung Park, Preisträgerin renommierter Wettbewerbe. Die junge Koreanerin setzte sich in München ins Flugzeug und bezauberte kurz darauf mit Liebreiz, fulminanter Technik und grosser Musikalität das anspruchvolle Solothurner Publikum.

Ekstatisch und subtil
Mit Beethoven, Mozart, Chopin, Schubert, Liszt und Ravel dokumentierte die Pianistin nicht nur ein breites Repertoire, sondern offerierte den Besuchern ein eigentliches Wunschprogramm. Beethovens F-Dur Sonate op.10 schenkte die Künstlerin poetische Momente, betonte aber auch das Wuchtige und Dämonische dieser Klaviermusik. Lebendig, ohne jede Zurückhaltung, doch leicht und fragil, gab Jong-Gyung Park Mozarts «Duport Variationen» das unabdingbare «Brio», die gehörige Brillanz.
Mit ihrer Mozart-Interpretation gelang der Pianistin der vielleicht faszinierendste Augenblick des Abends. Leider waren aber gerade bei Mozarts Musiksprache die «Defizite» des Konzertsaal-Flügels mit den schleifenlien Bässen unüberhörbar. Schade!
Die ursprünglich von Chopin für Klavier und Orchester komponierte, jedoch meist als Solostück vorgetragene «Grande Polonaise Brillante» op. 22 , erwies sich unter den Fingern Jong-Gyung Parks als virtuoses Jubelstück. Vor allem der perlende Schluss nahm sie ekstatisch und doch atemberaubend subtil. Eigenschaften, die sie mit Virtuosität auch Liszts musikalischem Italien-Ausflug (Canzone, Tarantella) und Ravels «La Valse» angedeihen liess. Jong-Gyung Park spielte das Programm auswendig, konzentriert, mit Spontanität und Charme. Begeisterte Bravos, stürmischer Applaus und eine stehende Ovation würdigte diese Sternstunde einer «Einspringerin». Beruhigend zu wissen, dass die Ausnahmekönnerin nun ebenfalls zur Frag-Art-Familie gehört und wieder in Solothurn auftreten wird.
 
Aus der Solothurner Zeitung vom 27. Novemder 2002