Zwei Meisterinnen ihres Fachs am Werk

Noémie Rufer (Violine) und Eveline Grandy (Klavier) überzeugten im Konzertsaal

CHRISTOPH A. SCHILTKNECHT

Im Frag-Art-Konzert am vergangenen Sonntag überzeugten und begeisterten die beiden jungen Solothurner Musikerinnen Noémie Rufer (Violine) und Eveline Grandy (Klavier) das zahlreich erschienene Publikum im Konzertsaal.

Noémie Rufer, 1985 geboren, begann als Vierjährige mit dem Geigenspiel und studiert beim berühmten Geigenvirtuosen und Pädagogen Igor Ozim in Bern. Sie hat bereits zahlreiche Preise gewonnen und hat das Solothurner Publikum mit ihren Auftritten mit den Orchestern der Region schon mehrmals begeistern können. Ebenso die zweite Solistin des Abends, Eveline Grandy. Geboren 1982 in Solothurn, begann sie im Alter von fünf Jahren mit dem Klavirspiel und befasste sich später zusätzlich mit der Orgel. Sie studiert in Zürich in der Klasse des bekannten Solothurner Pianisten Adalbert Roetschi und ist Preisträgerin des Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbes.
Die beiden jungen Künstlerinnen hatten bereits früher einmal die Gelegenheit, im Rahmen eines Frag-Art-Konzertes im Konzertsaal aufzuspielen. Franz Grimm, Organisator und Gründer der Frag-Art-Konzerte, lud sie nun erneut ein -es wurde eines der populärsten bestbesuchten Konzerte, die er je durchführen konnte.

Höhepunkt mit "Baal Shem"
In derTat konnten die beiden Musikerinnen rundum überzeugen. Wirkte das erste Werk, die A-Dur Sonate KV 526 für Violine und Klavier von Wolfgang Amadeus Mozart stellenweise noch etwas unausgeglichen und klanglich verhalten, steigerte sich das Duo schon im zweiten (langsamen) Satz deutlich. Ausdruck, Zusammenspiel und Kontrastreichtum beider Interpretinnen liessen nun keine Wünsche mehr offen.
Musikalischer Höhepunkt war eindeutig Ernest Blochs «Baal Shem», ein dreiteiliges Werk für Violine und Klavier, zu dem sich der jüdischstämmige Schweizer Komponist von jüdischer Musik hat inspirieren lassen. Schwärmerischen Melodien, schnelle feurige Passagen, klagende Motive - in diesem Stück kommt eine grosse Palette an musikalischen Ausdrucksmitteln zur Geltung. Noemie Rufer gestaltete den Solopart mit wandlungsfähigem musikalischem Ausdruck, grosser Hingabe und klanglicher Flexibilität meisterhaft.
Auch Eveline Grandy vermochte absolut zu überzeugen, sie erwies sich als subtile und aktive Begleiterin, liess der Solistin Freiräume, ohne es an Präzision mangeln zu lassen. Überhaupt war die Perfektion des Zusammenspiels der beiden Musikerinnen höchst beeindruckend, was sicher nicht zuletzt dadurch möglich wurde, dass beide auswendig spielten (auch die Begleiterin!) und sich deshalb ganz aufeinander konzentrieren konnten.

Solistin mit viel Gefühl
Auch Eveline Grandy hatte Gelegenheit, sich dem Publikum als versierte Solistin zu präsentieren. Mit der Klaviersonate Nr.54 in G-Dur des Altmeisters Joseph Haydn bewies die Solistin viel Gefühl für die Feinheiten von Haydns Musik. Verzierungen spielte sie klar aus, gliederte Phrasen schön organisch und überzeugte mit gekonnten klanglichen und dynamischen Schattierungen. Zum Schluss kam das begeisterte Publikum in den Genuss der Sonate für Violine und Klavier in c-Moll des Norwegers Edvard Grieg. Auch in diesem Werk fanden die Interpretinnen zu einer homogenen Einheit, insbesondere im langsamen zweiten Satz, wo die Gegensätze zwischen dramatischen und süsslichen Klängen sehr schön zur Geltung kamen. Die Zuhörer dankten es mit kräftigem Applaus und liess die jungen Künstlerinnen nicht ohne Zugabe von der Bühne

Aus der Solothurner Zeitung vom 17. Dezember 2002