Ein Jubiläums-Start nach Mass

Frag-Art-Konzert mit Bettina Sartorius und Werner Krapf

SILVIA RIETZ

Schon seit 20 Jahren organisiert Franz Grimm unter dem Label «Frag-Art» hoch stehende Konzerte zu moderaten Eintrittspreisen. Den Saisonauftakt zum eigentlichen Jubiläumsjahr mit dem begeisternden Duo-Abend von Bettina Sartorius und Werner Krapf zu begehen, damit ist ihm und auch den Künstlern ein Publikumserfolg gelungen, der nur schwer zu überbieten sein wird.

Der Fanklub kam
Bettina Sartorius und Konzertveranstalter Franz Grimm verbindet, dass beide auf einen grossen und treuen Fanklub zählen dürfen. Im November sorgte die populäre Geigerin beim Stadtorchester Solothurn für volle Ränge, nun füllte sie den Konzertsaal erneut. Und dies zu Recht: Das Zusammenspiel der Geigerin Bettina Sartorius und des Pianisten Werner Krapf demonstrierte grosse kammermusikalische Kunst. Ein würdiger und verdienter Start ins Jubiläumsjahr «20 Jahre Frag-Art-Konzerte», vom Publikum mit begeistertem und dankbarem Applaus gewürdigt.

Hoch stehende Partnerschaft
Die Balsthalerin Bettina Sartorius ist trotz ihrem erfolgreichen Wirken mit den Berliner Philharmonikern eine natürliche und sympathische Musikerin geblieben. Ihre Interpretation von Mozarts e-Moll Sonate KV 304 klingt im Kopfsatz dramatisch und im Schlusssatz wunderbar zart und beredt. Werner Krapf erwies sich am Flügel als souveräner und anpassungsfähiger Klaviervirtuose, der der künstlerischen Leistung der Geigerin in nichts nachstand. Die hoch stehende Partnerschaft der zwei Virtuosen zeigte sich vor allem auch in den für Violine bearbeiteten Canciones von Manuel de Falla. Die Interpretation der beiden Künstler atmet jenes folkloristische Kolorit, dass den eigentlichen Reiz von de Fallas «Suite populaire espagnole» ausmacht. Zudem betonte Bettina Sartorius jene Raffinesse, die bei dieser Variante des Impressionismus unabdingbar ist. Einmal mehr setzte die Virtuosin nicht auf den blossen Oberflächenglanz, sondern auf musikalische Hingabe und klangliche Wärme. Der sensible Klavierklang von Werner Krapf unterstützt die Geige als Melodienführerin der rhythmischen Tänze und Wiegenlieder Spaniens.

Warme Sinnlichkeit
Bettina Sartorius setzte ihren individuellen lyrischen Klang in dem Potpourri aus Gershwins einziger Oper «Borgy and Bess» mit warmer Sinnlichkeit und mitreissendem Melos ein. Beethovens Sonate c-Moll, opus 30 Nr. 2 liess die Geigerin ihre Stärken als Beethoven-lnterpretin ausspielen: Die sorgfältige Phrasierung, gepaart mit wohldosiertem Pathos und nuancierter Gestaltungskraft, überzeugte im Konzertsaal: Da werden alle Dunkelheiten, Schatten und Moll-Trübungen ausgespielt. Pianist Werner Krapf dagegen zeigte sich seiner Partnerin gewachsen, so dass Bettina  Sartorius' Virtuosität nicht allzu sehr in den Vordergrund trat. Das Künstlerpaar, das Publikum und auch der Veranstalter genossen ein mitreissendes Konzert, das wohl als eine (der vielen) Sternstunden in die Annalen der Frag-Art-Konzerte eingehen wird.
 
Aus der Solothurner Zeitung vom 28. Januar 2003