Temperament mit Technik geparrt

Das Odessa String Quartett gastierte im Konzertsaal

PETRA PERSSON

Zwei Stunden im Banne slawischer Musik aus Georgien, Rumänien und der Ukraine - das Odessa String Quartett spielte am Sonntag im leider viel zu wenig besetzten Konzertsaal in Solothum. Seit 20 Jahren ist es das Anliegen von Frag-Art-Konzertveranstalter Franz Grimm, dem Zuhörer «seine Kunst» näher zu bringen: «Musik soll erfüllen und erfreuen!» Das wünscht er sich für sein Publikum und mit dem Odessa String Quartett ist ihm das ohne Zweifel gelungen. Es war das 16. und letzte Konzert einer dreiwöchigen Konzertreihe des ukrainischen Quartetts in der Schweiz.
Natalya Litvinova, Iya Komarova, Leonid Piskun und Sergej Scholz interpretierten das frühe Streichquartett in D-Dur ihres Landsmannes Peter Iljitsch Tschaikowsky klangvoll, virtuos und leidenschaftlich. Der berühmte zweite Satz war schlicht und ergreifend wunderbar. Natalya Litvinova spielte ihren Primarius Part unendlich zart und hinreissend auf (man höre und staune) der ersten Geige des grossen Violinvirtuosen David Oistrach! Leider fügte sich der Klang dieser ohne Zweifel aussergewöhnlichen Geige nicht immer optimal in den Gesamtklang des Quartettes ein. Eindrucksvoll im letzten Satz Iya Komarova mit auffallend klangvollem Viola-Spiel. Jeder Einzelne der vier Musiker beherrscht sein Handwerk perfekt. Seit 15 Jahren spielen sie zusammen, technisch ebenbürtig sind sie zu einer Einheit verschmolzen.

Hommage an die Heimat
Der zweite Konzertteil stand ganz im Zeichen ihrer Heimat. Eingebettet zwischen Moldawien und Rumänien liegt die Ukraine. So sind auch die vier Musiker geprägt und aufgewachsen mit der Musik dieser Völker. Die Leidenschaft, Melancholie und Naturverbundenheit in der Musik bot für kurze Zeit Einblick in die Wurzeln der vier Virtuosen. Und was für Menschen kamen plötzlich hinter ihnen zum Vorschein! Wirkten sie im ersten Teil doch eher konzentriert und angespannt, so waren hier Freude, Lebenslust und Liebe zu spüren. Leidenschaftlich und humorvoll interpretierten sie Titel wie: «Arkan», einen karpatischen Tanz von Paul Scholz, dem Vater des hervorragenden Cellisten Sergej Scholz, «Lale, die Jungfrau», «Indi-Mindi» (Truthahn) und «Festtanz», drei sehr reizvolle Stücke aus Georgien; «zartes Leid» (mit wunderbarem Cellosolo, in das eine zarte, unendlich leidende Viola einfiel) und «Mondschein», Lieder und Tänze aus der Ukraine, gefolgt von rumänischen Volkstänzen, die das Publikum zu Jubelrufen anspornten. Danach als Hommage an Rita und Franz Grimm «Eine kleine Lachmusik» von Wolfgang Schröder - eine Persiflage in vier Sätzen auf Mozarts «Kleine Nachtmusik». Ein Kabinettstück, bei dem sich auch ein gewisses Schauspieltalent der vier Protagonisten entdecken liess. Der «Frühlingsreigen» und «die Lerche» beschlossen das abwechslungsreiche, virtuose und beseelte Konzert, das Ovationen erntete.

Aus der Solothurner Zeitung vom 11. Februar 2003