Ein Trio der Superlative am Werk

Frag-Art-Konzert mit Top-Klarinettist Dimitri Ashkenazy

Die Konzerthäuser von Sydney, London, Salzburg, Paris und Zürich; das sind nur einige der Schauplätze, auf deren Bühnen der Klarinettist Dimitri Ashkenazy normalerweise zu hören ist. Nun war es den Solothurnern vergönnt, ihn sozusagen «vor der eigenen Haustüre» zu erleben. Ein Geschenk besonderer Art und wer nicht da war, hat eine Sternstunde der Frag-Art-Konzerte im Konzertsaal verpasst. Was für ein Erlebnis, diesen fantastischen Musiker in Symbiose mit seinem Instrument zu hören! Mühelos meisterte er die schwierigsten Passagen, liess sein Instrument musizieren und entlockte ihm ungeahnte Klangfacetten. Es gelang ihm sogar, mit dem zeitgenössischen Stück «Sonate für Klarinettensolo» von Vyacheslav Artyomov, einer freirhythmischen polytonalen Komposition, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Doch nicht allein Ashkenazy war an diesem unvergesslichen Abend zu hören. Zusammen mit seiner Ehefrau Ariane Haering, Klavier, und Ramon Jaffé, Cello, bildete sich ein Trio der Superlative. Das perfekte Zusammenspiel der drei Musiker war schlicht wohltuend: exakt einstudiert jede Note, kein Übergang unsicher, jede kleinste dynamische Finesse perfekt abgestimmt. So sprang bereits beim Eröffnungsstück «Trio Pathetique» von Mikhail Glinka der musikalische Funke auf das Publikum über und liess es bis zum Schlussakkord nicht mehr los. Dazu liessen die Spielfreude und die für Kammermusiker ungewöhnlich fröhliche und positive Ausstrahlung des Musikliebhabers Herz unweigerlich etwas höher schlagen.

Totale Harmonie
Der in Riga geborene Ramon Jaffé, ebenfalls an allen grossen Konzerthäusem der Welt zu Hause, konnte seine Virtuosität am Cello mit Rachmaninows «Sonate für Violoncello und Klavier» unter Beweis stellen. Leidenschaftlich, kraftvoll und unendlich zart zugleich behandelt er sein Instrument. Wie ein Magier entlockt er seinem Cello jubelnde Höhen und satte Tiefen in allen Farben, wobei ihm die Komposition Rachmaninows die idealen Grundlagen liefert. In Ariane Haering stand ihm die ideale Begleiterin zur Seite. Immer voll dabei, technisch perfekt, spielte auch sie leidenschaftlich und hingebungsvoll. Auch bei ihr herrschte der Eindruck, sie erlebe die Musik bis in die kleinste Faser ihres Körpers. Selbst eine Solistin mit betörender Persönlichkeit, war sie aber stets darauf bedacht, Begleiterin zu sein. Den Abschluss bildeten die «Trio-Miniaturen für Klarinette, Cello und Klavier» des russischen Komponisten Paul Juon, in denen Ashkenazy, Jaffé und Haering nochmals alle Register ihres Könnens ziehen und zeigen konnten. Verdiente Ovationen eines begeisterten Publikums wurden mit dem «Adagio» aus Beethovens «Gassenhauer Trio» belohnt. (ppg)

Aus der Solothurner Zeitung vom 18. März 2003