Herrliche Klangwelten

Das 350. Frag-Art-Konzert mit Roussoudan Alavidze

Das Klavierrezital der begnadeten Meisterpianistin Roussoudan Alavidze war zugleich das 350. in der Reihe der Frag-Art-Konzerte. Die zierliche, aus Georgien stammende Pianistin zog das Publikum von Beginn an in ihren Bann, liess es Sturm und Regen draussen vergessen und entführte es in herrliche Klangwelten. Es schien, sie hauche ihre Seele in die Tasten des wundervollen Flügels. Die Partita Nr. 2 in c-Moll von Bach spielte sie ausdrucksstark und mit viel Gefühl. Das Grave Adagio begann sie geschmeidig, wechselte dann über lebhaft bis luftig, fröhlich und gefühlvoll.  Es war eine wahre Freude, ihrem Spiel zu lauschen. Mozarts Sonate in C-Dur KV 330 glich einem Zwiegespräch zwischen Pianistin und Instrument.
Roussoudan Alavidze verstand es meisterhaft, die verschiedenen Stimmungen der Sätze mit Temperament und Gefühl auszudrücken. Souverän und mit Leichtigkeit meisterte sie die anspruchsvollsten Partien.  Auf ein verspieltes Allegro moderato folgte ein intimes Anqante cantabile und das lebhafte, kräftige Allegretto beendete die Sonate.

Flug über die Tasten
Nach der Pause verfolgten die Zuhörer fasziniert Brahms Fantasien op. 116. Die Pianistin berührte mit ihrem Spiel ihr Innerstes, liess es klingen. Sie begann energisch mit dem Presto energico, das gefühlvolle Andante war tief berührend. Wie gebannt hörte das Publikum zu und hätte nach dem Allegro agitato gerne noch länger Brahms Fantasien und Roussoudan Alavidzes Spiel zugehört. Ein eigentliches Schlussbouquet stellten die 14 Variationen über ein Thema von Paganini dar. Brahms grosser Ideenreichtum und die Klangfülle verliehen der Pianistin Flügel, sie flog gleichsam über die Tasten. Mit einem grossen Applaus bedankte sich das Publikum für den wundervollen Abend und freute sich über die Zugabe, welche ein letztes Mal in das Reich des Wohlklanges führte. (ces).
 
Aus der Solothurner Zeitung vom 21. Mai 2003