Traumwandlerische Sicherheit nach Noten

Sartorius und Krapf im Frag-Art-Konzert

Gundi Klemm

Die Wahl-Berlinerin Bettina Sartorius (Violine) und ihren hiesigen Klavierpartner Werner Krapf am Duo-Abend im Konzertsaal zu hören, war für Musikfreunde - auch an einem Werktagabend der Wochenmitte - ein Genuss. Zur Aufführung gelangten Kompositionen von Schubert, Dvorák und Bartók.

Die Balsthalerin Bettina Sartorius, die eigentlich - auch als Mitglied der Berliner Philharmoniker - gewohnt ist, in ausverkauften Konzerthäusern zu spielen, hatte ihren für den Stephanstag geplanten Auftritt in Solothurn auf Mittwochabend verschieben müssen. Dies und beginnende Schneefälle mochten begründen, dass sich der Zustrom der Musikfreunde doch deutlich in Grenzen hielt. Zu wünschen bleibt, dass Konzertorganisator Franz Grimm diesen Ausfall finanziell «verkraften» kann. An der spielerischen Qualität des Duos Bettina Sartorius/Werner Krapf gab es nichts zu bemängeln. Der in Mümliswil gebürtige Pianist und Musikschulleiter war sogar eigens nach Berlin gereist, um dort am gemeinsamen Programm zu arbeiten.

Wunderbar «beleuchtete» Motive

Den Anfang des Konzerts machten drei Sonatinen des «früh vollendeten» Franz Schubert (1797-1828). Die drei 1816 komponierten «Schwesterwerke» D 384, D 385 und D 408 in Folge aufzuführen, entsprach durchaus einer musikalischen Logik. Doch mehr als die Hälfte der Konzertdauer mit Musik des «klassischen Romantikers» auf dem Niveau gehobener Hausmusik war vielleicht trotz ihres figürlichen und harmonischen Reichtums etwas zu viel. Dies zeigte auch der eher gedämpfte Beifall. Beide Interpreten gestalteten den Vortrag in ausgewogenem Zusammenspiel, ohne dass ein Instrument dominierte. Die reizvollen Schubertschen Modulationen fanden in der anschliessenden Sonatine für Violine und Klavier G-Dur Op. 100 von Antonin Dvorák (1841-1904) ihre durchaus konsequente Fortsetzung. Der tschechische Komponist, der damals in New York lebte, liess sich im 2. Satz, dem «Indian Canzonetta» hörbar von amerikanischen Themen inspirieren. Wie Schubert verstand es Dvorák, melodische Motive durch die veränderte Färbung von Tonarten neuartig und spannend zu beleuchten.

Spieltechnisch wird die viersätzige Komposition nicht den sehr anforderungsreichen Konzertstücken zugerechnet. Die Wiedergabe durch Bettina Sartorius und Werner Krapf gelang mit traumwandlerischer Sicherheit.

Dudelsack und Bärentanz

Béla Bartók (1881-1945) war ein typischer Vertreter der Wende zur modernen Musik. Die eindringliche Kraft seiner früheren Kompositionen bezog er aus dem seine Generation befruchtenden Vorbild der Folkloremusik. Aus einigen dieser ungarischen Volksweisen, benannt «Über Themen der Bauern von Transsylvanien», spielten Bettina Sartorius und Werner Krapf ein «Allegretto», in dem der volkstümliche Dudelsackpfeifer zu erkennen ist, und den «Bärentanz» mit tolpatschig-musikalischem Humor. Herb-tänzerisch klang gleichfalls das abschliessende «Allegro vivace». Erst in der Zugabe liess das Duo seine wahrhaft virtuosen Fähigkeiten aufschäumen: in einem ungarischen Tanz von Franz Liszt.

Duo Bettina Sartorius und Werner Krapf glänzten mit ihrem ausgewogenen Zusammenspiel an Violine und Klavier. Hanspeter Bärtschi.
 
Aus der Solothurner Zeitung vom 23. Februar 2005