Das Klavier wird zum Medium

Jong-Gyung Park in der “Frag-Art”-Reihe

Silvia Rietz
Gastiert Jong-Gyung Park bei “Frag-Art” in Solothurn, pilgern Freunde brillanten Klavierspiels in den Konzertsaal. Auch diesmal fesselte die Pianistin mit einer pointiert zugespitzten Mischung aus Verinnerlichung und Expression. “Zwischen Romantik und Moderne” hätte über dem Programm stehen können, das mit Franz Schuberts Sonate A-Dur, D 664 begann, die Jong-Gyung Park wie eine weit gespannte Fantasie anlegte. Das Andante aus Schuberts Sonate wurde zum beschwörenden Pochen. Vor dem Abschluss mit Ravel spielte sie Beethovens C-Dur-Sonate op.2, sowie Chopin und Debussy.

Was die junge Koreanerin leistete, ist beeindruckend. Das fängt bei der Technik an. Jemand, der sechs internationale erste Preise, einschliesslich des renommierten “Queen Elisabeth”-Wettbewerbs in Brüssel gewonnen hat, verfügt über eine “internationale Standard-Perfekt-Technik”. Doch damit hört es beim Ausnahmetalent nicht auf. Natürlich geht es auch darum, dieser Technik mit einigen Bravourstücken wie der Mazurken Op. 41 von Chopin oder der Klavierfassung von «La Valse» von Maurice Ravel zu präsentieren. Doch selbst expressive oder besonders dramatische Stellen werden von ihr mit ruhiger Konzentration und gelassenem Ausspielen begleitet. Immer wieder ist zu spüren, dass Jong-Gyung Park nicht allein mit erstaunlicher Fingerfertigkeit auftrumpft, sondern ins Innere der Musik vordringt.

Treffsicher, ungemein kraftvoll und dann wieder völlig gelöst ist Parks Anschlag. Scharf setzt sie die Kontraste, um sich dann verträumt dem Spiel hinzugeben oder atemberaubend eine Akkordkette nach der anderen zu hämmern. Dazu die gleich bleibende Kondition vom ersten bis zum letzten Ton. Das sind die Grundlagen einer expressiven Spielweise, und doch verriet die sympathische Pianistin ihre romantische Ader.

Esprit und Virtuosität
Ein rätselhaftes Universum von intellektuellem Exotismus und französischem Esprit glüht in dem vielfältigen Klavierwerk von Claude Debussy. Park widmete sich beseelt der Melange aus einigen abstrakten Werken der Reife (“Images”). Vital und mit rhythmischen Akzenten verbindet die Pianistin eine Sensibilität für die Harmonien mit romantischer Virtuosität und einem perkussiven Anschlag. Am meisten ist dies im abschliessenden «La Valse» der Fall. Ravels Klavierbearbeitung glänzt durch seine Kontraste zwischen explodierenden Ausbrüchen und tänzerischen Passagen und gelingt diesem erstaunlichen Talent atemberaubend. Da wurde das Klavier zum Medium.

 

Aus der Solothurner Zeitung vom 8. November 2005