Jubiläumskonzert der Superlative

VON SILVIA RIETZ (TEXT) HANSJORG SAHLI (BILD)

Peter-Lukas und Aglaia GrafAm Sonntag wurden reputierte "Altmeister" mit Ovationen gefeiert: Franz Grimm hat sein 500. Konzert veranstaltet und sich als Kulturvermittler weit über die Region hinaus einen Namen geschaffen, Flötist Peter-Lukas Graf ist mit Virtuosität und unzähligen Gastspielen zum Weltstar aufgestiegen. Die Ambassadorenstadt erlebte buchstäblich einen Sonntag der Schweizer Musiklegenden: Am Morgen war der 85-jährige Hansheinz Schneeberger (wir berichteten) und am Nachmittag der 83-jährige Peter-Lukas Graf zu hören.
Zwei Koryphäen, die schon früher bei Franz Grimm gespielt haben. Dieser freute sich über die umfangreiche Liste der bei ihm aufgetretenen Künstler und über die Laudatio von Vize-Stadtpräsidentin Barbara Streit-Kofmel. Künftig wird das Jubiläumskonzert den Erfolgsreigen anführen. Denn es stimmte einfach alles an diesem denkwürdigen Konzert: Die Künstler begeisterten und die Besucherinnen und Besucher kamen in Scharen. Zumal, wenn zwei Generationen auf der Bühne gemeinsam Musizieren und der Senior zu den berühmtesten Flötisten des 20. Jahrhunderts gehört. Weltstar Peter-Lukas Graf wählte für das Zusammenspiel mit seiner Tochter populäre Sonaten von Bach und Mozart sowie Werke von Schubert, Schumann und Charminade. Die mit vielen Preisen ausgezeichnete Pianistin Aglaia Graf erwies sich dabei als technisch versierte Künstlerin mit grosser Ausdruckskraft. Ihren Duopartner begleitete sie mit grossem musikalischem Einfühlungsvermögen, reagierte aufmerksam und delikat.

Bewundernswerte Energie
Strahlen junge Künstler Energie und Vitalität aus, registrieren wir dies als etwas Selbstverständliches. Begegnen uns über Achtzigjährige wie Peter-Lukas Graf mit federndem Schritt, ungeheuren Atemreserven, virtuoser Fingerfertigkeit und voller Elan, so kommen wir aus dem Staunen und Bewundern nicht heraus. Die Zeit scheint diesem Ausnahmemusiker nichts anhaben zu können. Peter-Lukas Graf hat nichts von seiner Strahlkraft eingebüsst: Zart, dynamisch, expressiv und lyrisch - er beherrscht alle Ausdrucksnuancen und technische Raffinessen. Am Schluss des anspruchsvollen Programms schenkte das Graf-Duo dem Publikum das für Flöte und Klavier bearbeitete Concertino op. 107 von Cécile Charminade. Ein funkelndes Glanzstück, ursprünglich für Flöte und Orchester geschrieben, setzte das Juwel dem Jubiläumskonzert die Krone auf, Musik, die Peter-Lukas Grafs Energien mobilisierte und ihn zu sagenhaften drei Zugaben motivierte - ein Konzert der Superlative.

Aus der Solothurner Zeitung vom April 2012.